Fünf Tote bei massiver Explosion in Keksfabrik in Griechenland

Fünf Arbeiterinnen kamen in den frühen Morgenstunden am Montag bei einer gewaltigen Explosion und einem Brand in der griechischen Keksfabrik Violanta ums Leben. Die Violanta-Fabrik liegt in der Nähe der Stadt Trikala in Thessalien, Zentralgriechenland. Acht Beschäftigte konnten sich retten, sechs wurden mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Auch ein Feuerwehrmann musste im Krankenhaus behandelt werden.

Die Schockwellen der Explosion waren so stark, dass ein Teil des Gebäudes und das Dach einstürzten. Noch in acht Kilometern Entfernung in Trikala und den umliegenden Dörfern war der Knall zu hören. Das anschließende Feuer brannte stundenlang, während die Feuerwehrleute versuchten, es unter Kontrolle zu bringen, und die Angehörigen der eingeschlossenen Arbeiter sich draußen versammelten.

Blick von oben auf die zerstörte Fabrik [Photo: Daphne Tolis/X]

Drei Leichen wurden nach 9 Uhr morgens geborgen, eine vierte kurz darauf, während die verkohlten Überreste des letzten Opfers erst am späten Nachmittag in den Trümmern gefunden wurden.

Bei den fünf Toten handelt es sich um Vasiliki Skambardoni (42 Jahre alt), Mutter von zwei Kindern, Elena Katsarou (45), Mutter eines 13-Jährigen, Stavroula Boukovala, Mutter von drei Kindern, Anastasia Nasiou und Agapi Bounova. Die Identität des letzten Opfers wurde durch DNA-Tests bestätigt.

Die Firma Violanta betreibt zwei Produktionsstätten an diesem Standort. Die Explosion ereignete sich im mittleren Teil eines älteren Fabrikgebäudes, das neben einer neueren und größeren modernen Produktionseinheit liegt, die nicht betroffen war. Die Wucht der Explosion riss das Fabrikgebäude praktisch in zwei Teile, wodurch eine Wand einstürzte und das Dach zusammenbrach.

Die Katastrophe begann kurz vor 4 Uhr morgens während der Nachtschicht, als 13 Arbeiterinnen und Arbeiter vor Ort waren. Dass es nicht mehr Todesopfer gab, war reiner Zufall: Normalerweise sind während der Nachtschicht etwa 30 Arbeiter anwesend. 18 hatten aber den Vormittag frei bekommen, um an einer jährlichen Firmenfeier zu Neujahr teilzunehmen, die bis spät in die Nacht zum Sonntag dauerte.

Die Explosion ereignete sich an der Produktionslinie, an der sich Industrieöfen befinden. Ersten Erkenntnissen zufolge könnte ein Gasleck die Explosion ausgelöst haben. Die Zeitung To Vima berichtete: „Obwohl sich in dem zerstörten Gebäude keine Flüssiggastanks befanden, schließen die Behörden ein Leck von Propan, Ammoniak oder einem anderen brennbaren Gas nicht aus.“

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Am Dienstagnachmittag wurden der Fabrikbesitzer und zwei Unternehmensvertreter – ein Schichtleiter und ein Sicherheitstechniker – festgenommen. Ihnen wird unter anderem fahrlässige Tötung, mehrfache schwere Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung vorgeworfen.

Arbeitsunfälle kommen in Griechenland immer häufiger vor. Nach Angaben des Verbands der Gewerkschaften technischer Unternehmen (OSETEE) kamen zwischen 2022 und 2025 630 Menschen bei der Arbeit ums Leben. Allein im vergangenen Jahr gab es 201 Todesfälle am Arbeitsplatz, gegenüber 150 im Jahr 2024.

Diese Zahlen liegen weit über den Daten der Regierung, die unverhältnismäßig niedrig sind, weil Schätzungen zufolge nur 30 bis 40 Prozent der Arbeitsunfälle offiziell erfasst werden. Nach den Zahlen des griechischen Statistikamts ELSTAT wurden 2023 nur 51 arbeitsbedingte Todesfälle verzeichnet – ein Bruchteil der 179 von OSETEE erfassten Fälle.

Da die Daten von ELSTAT in die EU-weiten Statistiken von Eurostat einfließen, nutzt die rechte Regierung unter der Nea Dimokratia (ND) diese Zahlen in zynischer Weise aus, um Griechenland als Vorbild bei der Sicherheit am Arbeitsplatz darzustellen. In einem Social-Media-Beitrag vor vier Tagen behauptete der stellvertretende Arbeitsminister Kostas Karagounis fälschlicherweise, dass Griechenland in der Europäischen Union (EU) bei der niedrigsten Zahl von Arbeitsunfällen an vierter Stelle stehe.

Der Anstieg der Todesfälle und Verletzungen am Arbeitsplatz ist die Folge brutaler Sparmaßnahmen und der systematischen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen seit über zehn Jahren. Alle griechischen Regierungen nach der Finanzkrise von 2008 haben auf Geheiß der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) Angriffe auf die griechische Arbeiterklasse umgesetzt.

Im vergangenen Jahr hat Griechenland im Rahmen eines neuen Arbeitsgesetzes als erstes Land der EU den 13-Stunden-Arbeitstag eingeführt. Schon jetzt haben viele Arbeiter zwei oder mehr Jobs, um über die Runden zu kommen. Diese Realität wurde nun legalisiert. Da Müdigkeit eine der Hauptursachen für Arbeitsunfälle ist, werden sich diese unter der neuen Gesetzgebung noch mehr häufen.

Lange, harte Arbeitszeiten sind kein Alleinstellungsmerkmal Griechenlands, sondern Teil einer globalen Entwicklung. Profitgetriebene Arbeitsbeschleunigung, Personalmangel und das Schleifen von Sicherheitsvorschriften verwandeln Arbeitsplätze in Todesfallen – wie die jüngsten Katastrophen in der Industrie weltweit zeigen, von der Post in den USA bis hin zu Plantagen und Fabriken in Sri Lanka.

Wie sehr die griechische herrschende Klasse das Leben der Arbeiter geringschätzt, zeigt sich daran, dass viele bürgerliche Medien die Explosion als Tragödie für das griechische „Unternehmertum“ darstellen. Die Katastrophe würde dem Image des Konzerns Violanta als „Erfolgsgeschichte“ eines aufstrebenden Keksfabrikanten schaden, der in einer seiner Fabriken in Larissa Pionierarbeit bei der Einführung grüner Technologien geleistet hat, so das verbreitete Narrativ.

Laut der Website von Violanta hat sich der Umsatz des Unternehmens von knapp 25 Millionen Euro im Jahr 2019 auf fast 45 Millionen Euro im Jahr 2024 fast verdoppelt. Im gleichen Zeitraum stieg der Bruttogewinn um fast 60 Prozent auf 14,6 Millionen Euro. Ein Großteil dieses Wachstums ist auf die Ausweitung der Exporte zurückzuführen, da Violanta-Produkte mittlerweile in 6.500 Einzelhandelsgeschäften weltweit verkauft werden.

Der Profitanstieg steht in direktem Zusammenhang mit den „unternehmensfreundlichen“ Rahmenbedingungen in Griechenland, die es ermöglichen, durch verstärkte Ausbeutung, niedrige Löhne und systematische Missachtung von Sicherheitsvorschriften Mehrwert aus der Arbeiterklasse zu pressen.

Der CEO von Violanta, Konstantinos Tziortziotis, räumte diese Tatsache in einem Interview von 2022 offen ein, als er die Errichtung einer Fabrik in den Vereinigten Staaten ausschloss. Er beklagte sich, dass „man [dort] nicht leicht Arbeiter finden kann, vor allem nicht zu überschaubaren Kosten. Mit solchen Investitionen kann man dort kein Geld verdienen.“

Es gibt bereits Berichte, dass die Fabrik in Trikala unsicher war und ein katastrophaler Unfall, sogar eine mögliche Explosion, bevorstand.

Im Gespräch mit der Zeitung Proto Thema erklärte Dimitris Armagos, Präsident des Arbeiterzentrums von Trikala – der lokalen Zweigstelle des Allgemeinen Gewerkschaftsverbands Griechenlands (GSEE) –, dass seine Gewerkschaft im Sommer gemeinsam mit der Arbeitsaufsichtsbehörde an einer Inspektion der Fabrik teilgenommen habe.

„Bei unserem Besuch haben wir Probleme festgestellt und konkrete Beobachtungen gemacht, die hauptsächlich die Notausgänge und das System zur Erkennung möglicher LPG-Gaslecks in den Öfen betrafen.“ Armagos entlastete seine Gewerkschaft von der Verantwortung, die Arbeiter nicht auf diese Gefahren hingewiesen zu haben, und erklärte: „Wir haben die Probleme, die wir damals festgestellt haben, dokumentiert und darauf hingewiesen. Darüber hinaus weiß ich nicht, was passiert ist.“

Trikala liegt nur etwa 97 Kilometer vom Ort des Zugunglücks im Tempi-Tal am 28. Februar 2023 entfernt, bei dem 57 überwiegend junge Menschen ums Leben kamen. Die Zugkatastrophe löste noch größere Proteste aus als die EU-diktierte Sparpolitik. Im nächsten Monat werden erneut groß angelegte Proteste zum dritten Jahrestag der Katastrophe erwartet, die durch die Privatisierung und Kosteneinsparungen bei einem bereits veralteten Schienennetz verursacht wurde.

Nach den Todesfällen in der Fabrik bei Trikala begannen ebenfalls Proteste. Am Dienstag fand ein 24-stündiger Streik statt, zu dem verschiedene Gewerkschaften des Arbeiterzentrums von Trikala aufgerufen hatten. Unter der Losung „Keine toten Arbeiter mehr auf dem Altar des Profits“ streikten Arbeiter verschiedener Branchen, darunter auch in der Lebensmittelindustrie.

Hunderte Einwohner, darunter Arbeiter und eine Delegation von Lehrern, nahmen am Dienstag an einer Demonstration und einer Kundgebung auf dem zentralen Platz Riga Feraiou in Trikala teil. Auf den Transparenten standen unter anderem folgende Slogans: „Genug ist genug! Keine weiteren toten Arbeiter auf dem Altar des Profits“ und „Es ist keine Tragödie, es ist ein Verbrechen des Arbeitgebers“. Die am meisten gerufenen Slogans während des Marschs waren: „Profite, getränkt mit dem Blut der Arbeiter“ und „Sie reden über Gewinne und Verluste, wir reden über Menschenleben!“

Das Arbeiterzentrum von Larissa rief für Dienstagabend zu einer Kundgebung in Larissa auf, der Hauptstadt der Region Thessalien und fünftgrößten Stadt Griechenlands mit über 164.000 Einwohnern.

In der Erklärung des Gewerkschaftsverbands GSEE heißt es: „Es ist nicht hinnehmbar, dass im Jahr 2026 Menschen bei der Arbeit ihr Leben verlieren. Menschenleben können und dürfen nicht als ‚Kollateralschaden‘ des Produktionsprozesses behandelt werden.“

Wie abstoßend! Gerade der GSEE und der Gewerkschaftsverband des öffentlichen Diensts ADEDY haben mit den Regierungen aller politischen Couleur bei der Umsetzung der Sparmaßnahmen zusammengearbeitet. So wurden die Bedingungen für solche Tragödien geschaffen. In Griechenland können Arbeitgeber heute im Grunde tun, was sie wollen – und kommen damit durch.

Wie ein Brandstifter, der an den Ort des Verbrechens zurückkehrt, fragte Alexis Tsipras, ehemaliger Ministerpräsident Griechenlands und Ex-Vorsitzender der pseudolinken Syriza (Koalition der Radikalen Linken), auf Facebook als Reaktion auf die Todesfälle in Trikala: „Wie lange werden wir noch um Menschen trauern, die ihr Leben verlieren, nur weil sie versuchen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen?“

Die katastrophale Lage der Arbeitssicherheit ist untrennbar mit dem Verrat von Tsipras und seiner verkommenen Partei verbunden. Syriza wurde im Januar 2015 in einem Erdrutschsieg an die Macht gespült, weil sie ein Ende der Sparpolitik propagierte, nur um dieses Versprechen innerhalb weniger Wochen zu verwerfen. Nach einem Referendum im Juli 2015, bei dem die Arbeiter ein drittes Sparpaket mit überwältigender Mehrheit ablehnten, stimmte Syriza schnell einem neuen Sparprogramm der EU und des IWF zu.

In den folgenden vier Jahren verhängte Syriza noch brutalere Sparmaßnahmen als die vorherigen Regierungen unter den Sozialdemokraten und der Nea Demokratia. Sie privatisierte das griechische Eisenbahnnetz, hob Sicherheitsstandards auf und ebnete damit den Weg für die Zugkatastrophe von Tempi.

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