Konvergierende imperialistische Kriege: Ukraine greift iranischen Frachter im Kaspischen Meer an

Karte der Region um das Kaspische Meer mit dem Ort, wo das iranische Schiff angegriffen wurde [Photo: From Google Earth]

Am Samstag attackierte die Ukraine ein iranisches Frachtschiff im Kaspischen Meer mit einer Langstreckendrohne. Der Vorfall stellt eine weitere Verflechtung des NATO-Kriegs gegen Russland mit dem amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran dar und wurde im Verlauf des Wochenendes von iranischen und internationalen Medien bestätigt. Dabei wurde ein Seemann getötet, ein weiterer verletzt.

Der Angriff führte zu einem Schlagabtausch zwischen Teheran und Kiew über die Fragen der Verantwortung und der Fracht des Schiffs. Die Ukraine erklärte, das Ziel sei kein ziviles Handelsschiff gewesen, sondern ein Frachter, der Drohnen und Raketen aus dem Iran nach Russland beförderte. Der Iran verurteilte den Angriff als Aggression gegen eins seiner Handelsschiffe.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha postete auf X: „Die Drohungen des Iran sind ungerechtfertigt und haltlos. Das Regime in Teheran ist ein direkter Komplize der russischen Aggression gegen die Ukraine und befeuert Moskaus verbrecherischen Krieg mit Waffen, die seit 2022 Ukrainer getötet haben.“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Samstag, das ukrainische Militär habe mit Langstreckenangriffen im Kaspischen Meer „sehr gute Ergebnisse“ erzielt, auch gegen Schiffe mit militärischer Fracht, die in Beziehung zum Iran stehen.

Die BBC identifizierte das Schiff als die Ana, ein iranisches Trockenfrachtschiff. Der russische Außenminister Sergei Lawrow erklärte, es sei mit ziviler Fracht aus dem russischen Hafen Astrachan ausgelaufen.

Die Route ist von strategischer Bedeutung, da Astrachan im Norden des Kaspischen Meeres liegt und als wichtiges Logistikzentrum für den Handel zwischen Russland und dem Iran dient. Jede Beeinträchtigung auf dieser Verbindung wirkt sich auf den maritimen Korridor aus, der für beide Länder immer wichtiger wird, da Sanktionen, Krieg und Druck auf Lieferketten sie dazu zwingen, das Kaspische Meer als Ausweichroute zu benutzen.

Reuters berichtete, Teheran habe den Angriff verurteilt und Vergeltung angekündigt. Das iranische Außenministerium bezeichnete den Vorfall als Akt der Aggression und erklärte, der Iran werde seine nationalen Interessen und seine Sicherheit verteidigen. Iranische Regierungsvertreter warfen der Ukraine zudem vor, durch den Angriff auf ein Schiff, das mit dem Iran in Verbindung steht, den Krieg mit Russland ausweiten zu wollen.

Die Trump-Regierung hat sich noch nicht offiziell zu dem Angriff im Kaspischen Meer geäußert.

Der Vorfall hat auch gezeigt, dass das Kaspische Meer, das an Russland, den Iran, Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan, jedoch nicht an die Ukraine grenzt, nicht mehr als isoliert vom Ukrainekrieg betrachtet werden kann. Laut Medienberichten war der Iran erbost über den Angriff auf das Schiff und bestellte den Leiter der diplomatischen Vertretung der Ukraine ein.

Die beiden Kriege beeinträchtigen die Weltwirtschaft auf sich überschneidende Weise. Die Ukraine hat ihre Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur massiv ausgeweitet. Berichten zufolge wurden russische Raffinerien von Januar bis Anfang Juli 2026 mindestens 194-mal getroffen. Diese Angriffe haben etwa ein Drittel der russischen Raffineriekapazitäten zerstört und die Treibstoffproduktion verringert. Die Folgen sind Engpässe, Rationierungen und lange Schlangen an den Tankstellen in Russland.

Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Märkte, obwohl die Rohölförderung fortgesetzt wird. Wenn Raffinerien beschädigt werden, ist zwar noch genug Öl im Boden, aber nicht genug Diesel, Benzin und Flugzeugtreibstoff an den richtigen Orten. Deshalb treffen Ausfälle von Raffinerien die Kraftstoffmärkte stärker als die Rohölmärkte.

Im Persischen Golf hat der Iran die Straße von Hormus geschlossen, und seine Huthi-Verbündeten haben auch die Straße von Bab el-Mandeb bedroht oder blockiert, wodurch die für Öltanker wichtige Route durch das Rote Meer gesperrt ist. Die Straße von Hormus und der Bab el-Mandeb sind zwei der weltweit wichtigsten Engpässe für die Verschiffung von Öl, Flüssiggas und Handelsgütern.

Wenn beide gleichzeitig unterbrochen werden, wären 30 Prozent der weltweiten Ölmenge betroffen. Tanker müssten längere Wege durch den Suezkanal und um Afrika herum nehmen. Die Transportzeiten, Versicherungskosten und Preise würden dramatisch steigen.

Die unmittelbare Folge dieser kombinierten Schocks ist ein klassischer Angebotsengpass: ein geringeres Angebot an raffinierten Produkten aus Russland, erhöhte Transportrisiken im Nahen Osten und ein Aufwärtsdruck auf die Richtpreise. Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen sind nicht auf die Energiekonzerne beschränkt: Höhere Treibstoffkosten führen auch zu höheren Preisen für Transport, Nahrungsmittel, Produktionskosten und Flugticketpreise, während von Importen abhängige Staaten unter Inflationsdruck und Zahlungsbilanzbelastungen stehen.

Nur wenige Tage vor dem Angriff im Kaspischen Meer waren Berichte aufgekommen, die Trump-Regierung würde die Art und Weise der Meldung von Verlusten im Krieg gegen den Iran ändern. Am Donnerstag korrigierte das Pentagon die offizielle Zahl der Toten von 18 auf 14. Das warf Fragen danach auf, wie die Regierung die Todesfälle unter US-Militärangehörigen in diesem Konflikt erfasst und darstellt.

ABC News berichtete, die offizielle Datenbank des Pentagons zu Todesopfern sei plötzlich geändert worden, wodurch die Zahl der Toten als auch der Verwundeten stark zurückging. Vertreter der Regierung bezeichneten dies als technisches Problem.

Einem weiteren Bericht zufolge waren in der niedrigeren Gesamtzahl der Todesopfer vier US-Soldaten nicht mehr enthalten, die seit Wiederaufnahme der Kämpfe in Jordanien und im Irak ums Leben gekommen waren. Zudem sei die Datenbank mindestens einen Tag lang nicht korrigiert worden. Laut The Hill hatte der Abgeordnete Adam Smith, der höchste Demokrat im Militärausschuss des Repräsentantenhauses, erklärt, Trump habe dem Kongress keine Statistiken zu den Verlusten vorgelegt. Es habe zudem keine Transparenz hinsichtlich des vollen Ausmaßes der Verluste von Kriegsgerät und Opfern gegeben.

Reuters und andere Medien berichteten, die Regierung habe erklärt, einige Todesfälle seien in Zusammenhang mit dem ersten Teil des Konflikts gezählt und danach in eine andere Kategorie verschoben worden – als gehörten sie nicht zu demselben Krieg gegen den Iran. Laut der Datenbank des Pentagon stehen die 14 Todesfälle im Zusammenhang mit der Operation Epic Fury, während die vier Todesfälle in Jordanien den Overseas Operations (Auslandseinsätzen) zugeordnet werden. 

Der Guardian berichtete derweil am Sonntag, das Pentagon habe mehr als 207 verwundete Militärangehörige in die Datenbank für Auslandseinsätze aufgenommen, womit die Gesamtzahl der Opfer auf 624 steigt. Zuvor lag diese Zahl offiziell bei 417.

Der Abgeordnete Smith erklärte, die fehlenden Angaben zu Todesopfern seien ein „Streitpunkt“ und warf der Regierung vor, dem Kongress Informationen vorzuenthalten. Andere Demokraten, die in dem Bericht zitiert wurden, argumentierten, der Krieg habe sich zu einer „Katastrophe“ entwickelt, und die Kontrolle der Öffentlichkeit und des Kongresses sei in einem entscheidenden Moment geschwächt worden. Keine dieser Erklärungen verurteilte den Krieg als illegal und als Verstoß gegen das Völkerrecht.

Berichten zufolge wird innerhalb der Regierung über ein breites Spektrum militärischer Optionen diskutiert, darunter eine Ausweitung der Angriffe, mögliche Bodenoperationen zur Besetzung von Gebieten nahe der Straße von Hormus sowie Angriffe auf eine befestigte Atomanlage. Das Wall Street Journal berichtete, Trump sei u.a. über den Einsatz von Bodentruppen und die Bombardierung einer geheimen Atomanlage informiert worden. Reuters erklärte, er habe die Besetzung des Ölterminals auf der iranischen Insel Charg und andere Eskalationsmaßnahmen diskutiert.

Der ukrainische Angriff im Kaspischen Meer verleiht den imperialistischen Eroberungskriegen unter Führung der USA, an denen sich immer mehr Länder beteiligen, eine weitere Dimension. Es handelt sich um Kriege, die sich überschneiden und auf einen neuen Weltkrieg zusteuern. Am Montagabend berichteten die Medien, Russland plane die Rekrutierung von 30.000 nordkoreanischen Soldaten für eine Herbstoffensive in der Ukraine, was diesen Trend noch weiter verstärkt.

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