Als letzter großer deutscher Autohersteller reiht sich nun auch BMW in die Reihe der Konzerne ein, die massiv Arbeitsplätze vernichten. Der Konzern hat mit der IG Metall beschlossen, rund 8000 Jobs abzubauen. Das berichteten am Mittwoch Pressagenturen. Das entspräche fast jeder zehnten der insgesamt 84.000 Stellen in Deutschland. Da fast ausschließlich Arbeitsplätze außerhalb der Produktion betroffen sein sollen, etwa in der Konzernverwaltung oder dem Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ), trifft das vor allem die Beschäftigten am Stammsitz in München.
Als Grund gab der Premiumhersteller wegbrechende Gewinne an. Absatz und Umsatz gehen zurück, vor allem durch hohe Verkaufseinbrüche in China, zuletzt um fast ein Drittel.
Am Donnerstag, einen Tag nach der Ankündigung des Arbeitsplatzabbaus auf Betriebsversammlungen, gab der Konzern bekannt, dass er im zweiten Quartal nach Steuern „nur“ noch 1,2 Milliarden Euro Gewinn einstreichen konnte – 35 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Umsätze sanken in diesem Zeitraum von 34 Milliarden auf 31 Milliarden Euro. Blickt man nur auf den Bereich Automobile, ist der Einbruch höher. Hier sank der Gewinn um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen Euro. BMW hat dadurch im abgelaufenen Quartal mehr mit seinen Finanzdienstleistungen verdient als mit der Herstellung von Autos.
Erst Mitte Mai hatte Milan Nedeljković, 57, bis dahin Produktionsvorstand, vom langjährigen BMW-Chef Oliver Zipse den Vorstandsvorsitz übernommen. Zipse hatte BMW stets als Musterbeispiel der Autobranche dargestellt. Als einer der ersten Hersteller hatte er E-Modelle entwickelt und bis heute eine Doppelstrategie aus Verbrenner- und Elektro-Fahrzeugen verfolgt. Ende November 2025 tönte Zipse: „Von einer Krise möchte ich nicht sprechen – zumindest nicht für BMW.“ Noch Ende März erklärte Zipse bei der Vorstellung des Quartalsberichts, BMW sei „auf Kurs geblieben“ und „ideal positioniert, um die Früchte zu ernten“.
Bereits einen Monat später gab sein Nachfolger Nedeljković eine Gewinnwarnung heraus, es müsse zusätzlich gespart werden. Die bereits laufenden Sparbemühungen – unter anderem durch den Abbau von 3000 Stellen – wolle man „intensivieren und beschleunigen“.
Auf der Betriebsversammlung am Mittwoch sagte Nedeljković in München: „Wir müssen sicherstellen, dass unser Unternehmen wieder profitabler und wettbewerbsfähiger wird.“ Weder „Protektionismus noch die gravierenden Marktveränderungen werden wieder verschwinden“. Die Spielregeln im Automarkt hätten sich grundlegend geändert und damit auch das gesamte Geschäftsmodell.
Was sich nicht geändert hat, ist die vollständige Ausrichtung der gesamten Produktion auf Profit im Interesse der Aktionäre und Finanzmärkte. Seit Jahresanfang hat die BMW-Aktie fast ein Drittel an Wert eingebüßt, beschleunigt im Juni, nach der Gewinnwarnung.
Bis Ende 2023 hatte BMW eine Profitrate von 10 bis 12 Prozent vermelden können, in den folgenden beiden Jahren sank sie dann auf zuletzt 5,3 Prozent. Dieses Jahr wird nur eine Marge von 1 bis 3 Prozent, ein Gewinn von „nur“ 5,45 Milliarden Euro erwartet.
Das ist den Finanzmärkten und Aktionären zu wenig. Stefan Quandt und Susanne Klatten, deren Milliarden-Familienvermögen auf die Kollaboration mit den Nazis zurückgeht, halten zusammen fast die Hälfte der BMW-Stammaktien. Um das Vermögen der beiden Quandt-Erben von aktuell ca. 45 Milliarden Euro weiterhin zu mehren, soll bei den Beschäftigten eingespart werden.
BMW-Chef Nedeljković und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Martin Kimmich haben in den letzten Wochen mit ihren Teams ein Abfindungsprogramm für alle deutschen Standorte ausgearbeitet. Schon bald sollen 40.000 Beschäftigte in Deutschland – fast jeder zweite – angeschrieben werden und ein Abfindungsangebot erhalten. Bereits ab Oktober sollen die ersten ausscheiden. Das Programm solle bis Ende kommenden Jahres laufen. Die Süddeutsche Zeitung berichtete, dass weder Nedeljković noch Kimmich auf der Betriebsversammlung die in der Presse gemeldete Zahl von 8000 abzubauenden Stellen genannt hätten. Wer weiß, wie viele Jobs am Ende tatsächlich vernichtet werden.
Gestern berichtete die Wirtschaftswoche, dass es für Fachkräfte und Experten ab April 2027 nur noch 35-Stunden-Verträge gebe. Mitarbeitende mit 38- oder 40-Stunden-Verträgen müssen Gehaltseinbußen erwarten. Das Wirtschaftsmagazin spricht von „tausenden“ Betroffenen.
Politik und Medien haben die klammheimliche Art der Ausarbeitung des „Personalstrukturprogramms“ gelobt. Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) lobt, dass es BMW „im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern“ offensichtlich gelungen sei, zwischen Konzernleitung und Betriebsrat einen guten Kompromiss zu erzielen „und sich nahezu geräuschlos zu einigen. Für mich hat das Vorbildcharakter“, sagte sie.
Auch der bayerische IGM-Bezirkssekretär Horst Ott beschwichtigte: „BMW reagiert jetzt auf den wegbrechenden Markt in China und arbeitet parallel daran, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu stärken.“ Der Abbau geschehe „mit den Instrumenten der Betriebsparteien“, tarifvertragliche Regelungen stünden nicht zur Disposition.
Das zeigt einmal mehr, dass der Apparat der IG Metall und ihre hoch bezahlten Funktionäre aus der gleichen Perspektive auf die Konzerne und die Arbeitsplätze schauen wie die Konzernspitzen und die Aktionäre. Für den Beschäftigten ist der Arbeitsplatz die Existenzgrundlage – für Konzernspitzen, IGM-Funktionäre und Betriebsratsspitzen ist er ein Kostenfaktor. Stimmt die Profitmarge nicht mehr, müssen Kosten eingespart werden, Jobs vernichtet, Löhne gesenkt und Arbeitsbedingungen verschärft werden.
In einem Konzern nach dem anderen – VW, Ford, Audi, Mercedes, zuletzt Porsche und nun BMW – setzen die Betriebsratsspitzen und Gewerkschaftsapparatschiks wie Ott diese Angriffe auf die Belegschaften durch, um die Profitmarge zu erhöhen und die Aktionäre zu bereichern. Während sie von Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung faseln, werden Hunderttausende Arbeitsplätze allein in der Autoindustrie vernichtet.
Die Gewerkschaftsspitzen und ihre betrieblichen Vertreter sind es, die die Einsparungen auf dem Rücken der Beschäftigten planen und organisieren – alles im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit und des Erhalts der Standorte.
Dabei sind Autoarbeiter in Italien, Frankreich, Osteuropa, den Vereinigten Staaten, China und zahlreichen anderen Ländern denselben Angriffen ausgesetzt wie ihre Kolleginnen und Kollegen in Deutschland, oft sogar von denselben Konzernen. Bei BMW arbeiten über 150.000 Menschen weltweit, auch in China, den USA, Großbritannien und vielen anderen Ländern.
In einem grundlegenden Artikel hatten wir betont, dass die Standortpolitik der IG Metall keine Arbeitsplätze rettet, sondern zerstört. „Sie spielt die Kolleginnen und Kollegen eines Werks gegen die aller anderen aus. Sie spaltet sie nach Standorten und Ländern, anstatt sie zu vereinen. Sie ermöglicht es den Konzernen so erst, den Kahlschlag durchzuführen.“
Die Standortpolitik entspricht der sozialen Stellung der Gewerkschaftsbürokraten und Betriebsratsfürsten, die oft mehrmals so viel wie ein einfacher Arbeiter verdienen und den Managern und Aktionären viel näherstehen als jenen, die sie angeblich vertreten. Während der IGM-Apparat auf Mitbestimmung und Sozialpartnerschaft schwört, können Arbeitsplätze, Einkommen und soziale Rechte nur mit den Methoden des Klassenkampfs verteidigt werden – erst recht in Krisenzeiten wie jetzt.
Millionen Arbeiter weltweit verlieren ihren Job. Bildung, Gesundheitsversorgung und Sozialsysteme werden überall zerschlagen. Billionen werden in Aufrüstung und Krieg gesteckt. Der Kapitalismus ist nicht mehr mit den Lebensbedürfnissen der arbeitenden Bevölkerung vereinbar.
Die Arbeitsplätze können daher nur mit einer Perspektive verteidigt werden, die diesem mörderischen Gesellschaftssystem den Kampf ansagt. Notwendig ist die Gründung von Aktionskomitees in allen Betrieben, um den Kampf zur Verteidigung der Arbeitsplätze unabhängig von und gegen den Gewerkschaftsapparat aufzunehmen. IGM-Bürokraten, die mit dem Management kungeln, haben in diesen Aktionskomitees nicht zu suchen.
Die Aktionskomitees müssen vom Grundsatz ausgehen, dass die Rechte der Arbeiter Vorrang vor den Profitinteressen haben, und jeden Arbeitsplatz verteidigen. Sie müssen untereinander Verbindungen aufbauen und Arbeiter über einzelne Werke und andere Länder hinweg vereinen. Die Sozialistische Gleichheitspartei und die Vierte Internationale (IKVI) haben zu diesem Zweck die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) ins Leben gerufen.
Wir rufen die BMW-Beschäftigten auf, uns zu kontaktieren. Kein Vertrauen in die Betriebsratsspitzen um Kimmich und den IGM-Apparat um Ott. Bereitet euch gemeinsam mit uns auf die Verteidigung der Arbeitsplätze vor. Der jetzt angekündigte Abbau von 8000 Stellen ist nur der Anfang.
Füllt das Formular aus oder schreibt eine Nachricht über WhatsApp an die +491633378340.
