US-Angriffe auf Öltanker läuten neue Phase des Irankriegs ein

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran ist mit den gegenseitigen Raketenangriffen am Dienstag, bei denen u. a. Schiffe beschossen wurden, in eine neue Phase eingetreten. Diese Eskalation birgt das Risiko einer weiteren Ausweitung des Kriegs auf den gesamten Nahen Osten.

Die USA zerstörten fünf iranische Öltanker, angeblich als Reaktion auf einen iranischen Angriff auf ein Kriegsschiff der US Navy. Der Iran beschoss daraufhin eine Einrichtung des US-Militärs in Jordanien mit Raketen und drohte mit weiteren Angriffen auf Schiffe im Persischen Golf, die mit den USA in Verbindung stehen.

Dieses Bild aus einem vom US-Zentralkommando veröffentlichten Video zeigt eine Explosion im Marinestützpunkt Bandar Abbas im Iran, als drei vom US-Militär abgefeuerte unbemannte Oberflächenschiffe vom Typ „Corsair“ – auch als Einweg-Angriffsdrohnen bezeichnet – am 12. Juli 2026 den Hafen treffen. [AP Photo/U.S. Central Command]

Die jüngste Eskalation widerlegt alle Behauptungen des Weißen Hauses, der Krieg werde mittels begrenzter Militäraktionen, Wirtschaftssanktionen oder kurzfristiger Waffenruhen zu Ende gebracht. Der Konflikt breitet sich auf der Karte aus und zieht zunehmend Infrastruktur in Mitleidenschaft, von der die Weltwirtschaft abhängt.

Am Dienstag meldete das US Central Command (CENTCOM) Angriffe des US-Militärs auf fünf iranische Rohöltanker, vier davon im Golf von Oman und einen nahe der Insel Kharg. Ein Tanker wurde versenkt, die anderen vier sind laut dem Pentagon entweder außer Betrieb gesetzt oder manövrierunfähig.

Zuvor hatte der Iran laut US-Angaben innerhalb von zwei Tagen zweimal ein Kriegsschiff der US Navy mit ballistischen Raketen beschossen. Das CENTCOM erklärte, das US-Schiff habe den Raketen ausweichen können und es habe keine Verletzten gegeben. Die iranischen Staatsmedien und die Revolutionsgarde (IRGC) erklärten hingegen, iranische Streitkräfte hätten US-Zerstörer beschädigt, die mit Marschflugkörpern und Aegis-Luftabwehrsystemen ausgestattet gewesen sein.

Das Vorgehen des US-Militärs entspricht einer immer offener geäußerten Politik der Vergeltungsmaßnahmen gegen die iranische Schifffahrt. Vertreter der US-Regierung haben gedroht, für jeden Angriff Teherans auf ein amerikanisches Schiff mehrere iranische Schiffe anzugreifen. Damit erklärt die US-Regierung de facto, dass sie bereit ist, die Kontrolle über den iranischen Seehandel mit militärischen Mitteln durchzusetzen, ohne Rücksicht auf die Folgen für die weltweite Handelsschifffahrt.

Der Iran hat gedroht, Schiffen, die mit den USA oder ihren Verbündeten in Verbindung stehen, die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu verwehren. Die Revolutionsgarde rief die Besatzungen von Tankern in den Gewässern vor Kuwait und Bahrain dazu auf, ihre Schiffe zu verlassen, und warnte vor weiteren möglichen Angriffen.

Etwa ein Fünftel der weltweiten Erdöllieferungen geht durch die Straße von Hormus. Jede längere Sperrung wird negative Auswirkungen auf Treibstoffpreise, den Verkehr, die Lebensmittelproduktion und die industriellen Lieferketten auf der ganzen Welt haben.

Der Iran reagierte auf die Zerstörung der Tanker mit dem Abschuss von ballistischen Raketen gegen die US-Truppen in Jordanien. Berichten zufolge sei die Al-Azraq Air Base, wo amerikanische Flugzeuge und Militärpersonal stationiert sind, das Ziel der Angriffe gewesen.

Der Iran erklärte, seine Raketen hätten Einrichtungen zur Wartung, zum Einsatz und zur Unterbringung von Flugzeugen getroffen. Vertreter der US-Regierung bezeichneten den Angriff als wirkungslos. Das gesamte US-Personal sei in Sicherheit. Laut den jordanischen Behörden wurden zwanzig ballistische Raketen auf das Land abgefeuert, von denen achtzehn von der jordanischen Luftabwehr abgefangen worden und zwei auf unbewohnte Gebiete niedergegangen seien. Es wurden keine Opfer gemeldet.

Der Iran behauptete außerdem, er habe amerikanische Kriegsschiffe und andere militärische Ziele in der Region angegriffen. Die widersprüchlichen Schilderungen der Ereignisse konnten bisher nicht unabhängig bestätigt werden.

Dennoch stellt der Angriff eine deutliche Eskalation des Krieges dar. Jordanien hat versucht, keine direkte Kriegspartei zu werden, doch die Präsenz von US-Truppen in dem Land macht es zu einem potenziellen Ziel in einer Konfrontation zwischen Washington und Teheran. Das gleiche gilt für US-Basen und militärische Einrichtungen im Irak, den Golfmonarchien und im östlichen Mittelmeer.

Die US-Militäreinrichtung wird allgemein als die Muwaffaq Salti Air Base bei Al-Azraq im Osten Jordaniens identifiziert, einem wichtigen jordanischen Luftwaffenstützpunkt, in dem US-Militär stationiert ist, und von wo aus die amerikanischen Luftoperationen unterstützt werden.

Iranische Regierungsvertreter erklärten, ihre Raketen hätten Einrichtungen zur Wartung und Vorbereitung von Flugzeugen, Einsatzbereiche und gehärtete Unterstände für F-35-, F-16- und F-15-Kampfflugzeuge getroffen. Einige Berichte nannten auch die nahegelegene Prince Hassan Air Base als Ziel, doch welche Einrichtungen genau getroffen wurden, ist noch unklar.

Laut der britischen Zeitung The Independent warnten iranische Regierungsvertreter, dass der Nahe Osten „praktisch am Rande des Dritten Weltkriegs“ stehe. In einer Erklärung des Teheraner Abgeordneten Kamran Ghazanfari verwies dieser auf den wachsenden Konflikt zwischen den USA, dem Iran und den anderen regionalen und internationalen Mächten. Der Krieg zieht Verbündete der USA, vom Iran unterstützte Kräfte, die Handelsschifffahrt und den globalen Energiemarkt in seinen Strudel.

US-Präsident Donald Trump erklärte am Mittwoch kurz vor seiner Abreise nach Dallas gegenüber der Presse, der Krieg würde „sofort“ nach den US-Zwischenwahlen im November enden: „Ich denke, der Krieg wird sofort nach der Wahl enden, weil sie nicht länger durchhalten können.“

Trump warf dem Iran vor, dass dieser „verzweifelt versucht, die Wahl zu beeinflussen“, betonte aber gleichzeitig, der Iran werde unter dem wirtschaftlichen Druck der USA schwächer. Trump deutete außerdem an, dass Washington nach dem Scheitern früherer Waffenruhen keinen Neustart der Verhandlungen anstrebe.

Das Timing von Trumps Vorhersagen deutet auf einige der politischen Überlegungen hin, die hinter dem Krieg stehen. Der Präsident stellt den Konflikt gleichzeitig als Militäraktion, wirtschaftliche Belagerung und Wahlthema dar. Er behauptet, der Iran werde bald kapitulieren, erklärt aber nicht, warum eine Regierung, die angeblich am Rande des Zusammenbruchs steht, ihre Raketenangriffe fortsetzen, die Schifffahrt bedrohen und Washington seine erklärten Ziele auch nach sechs Monaten Luftkrieg noch streitig machen kann.

Anfang der Woche erklärte Trump in den sozialen Medien, die Ölpreise würden „drastisch sinken“, wenn die USA „den Krieg mit dem Iran GEWINNEN“. Diese Aussage stellt die Versuche der Regierung, den Eindruck von militärischer Vorherrschaft über die Straße von Hormus und die Energieexporte zu erzeugen, mit einer angeblichen Lösung für die wirtschaftlichen Folgen des Krieges in Zusammenhang.

Die Ölmärkte reagierten auf jede neue militärische Eskalation mit scharfen Preisanstiegen. Rohöl der Sorte Brent stieg am Dienstag auf etwa 99 Dollar pro Barrel, nachdem Berichte über die neuen Angriffe auf US-Kriegsschiffe und die Zerstörung der iranischen Tanker aufkamen. Der Kurs für die Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg auf etwa 94 Dollar pro Barrel. Brent war bereits Anfang September auf über 90 Dollar gestiegen, nachdem sich die Kämpfe verschärft hatten. Im August erreichten sie ihren höchsten Stand seit fast einem Monat, nachdem Trump mit Vergeltung gegen Länder gedroht hatte, die den Iran unterstützen.

Die Folgen des Krieges spürt die gesamte internationale Arbeiterklasse durch höhere Preise für Treibstoff, Heizung und Transport. Der Independent verwies auf eine Schätzung der Brown University, laut der der Krieg die Kosten für Energie in den USA um 100 Milliarden Dollar oder etwa 763 Dollar pro Haushalt erhöht hat. Der Gesamtbetrag steige alle zwei Minuten um eine Million Dollar.

Der Preisanstieg hat den Energiekonzernen und Finanzspekulanten, einschließlich jener, die direkte Beziehungen zum Weißen Haus unterhalten, eine Gelegenheiten verschafft, von der Instabilität an den Märkten zu profitieren. Trumps neun größte bekannte Öl- und Gasbeteiligungen haben in den ersten sechs Monaten des Krieges zwischen 1,5 Millionen und 4,4 Millionen Dollar an Wert zugelegt. Über seine Investitionskonten wurden weiterhin Anteile an Unternehmen gekauft und verkauft, u.a. von ExxonMobil, Chevron und ConocoPhillips.

Diese Enthüllungen zeigen, dass der Präsident einen Krieg führt, der sich direkt auf seine Vermögenswerte und die seiner Familie auswirkt. Das Weiße Haus bestreitet, dass Trump oder seine Verwandten irgendeine Rolle in Investitionsentscheidungen spielen, und behauptet, die Beteiligungen würden unabhängig durch Verfügungskonten und automatisierte Investmentmodelle verwaltet.

Dieses Dementi bringt die Angelegenheit jedoch nicht vom Tisch, da der Präsident nicht persönlich jeden Handel, der im Interesse seiner Familie und der ganzen herrschenden Klasse erfolgt, tätigen muss, um von dem Krieg zu profitieren. Energiekonzerne, Rüstungsunternehmen, Reedereien und Banken profitieren allesamt von der Zerstörung von Produktivkräften und der Militarisierung des Wirtschaftslebens. Das ist eine grundlegende Tendenz des Imperialismus.

Während die Trump-Regierung behauptet, dass militärischer Druck Teheran zur Kapitulation treiben werde, deuten die Fakten auf das Gegenteil hin. Der Iran hat nach monatelangen Bombardierungen und Blockaden nicht kapituliert, die Straße von Hormus unterliegt weiterhin nicht der Kontrolle der USA, und die US-Truppen sind in der ganzen Region zunehmend schutzlos.

Die jüngsten Entwicklungen bestätigen die Analyse der World Socialist Web Site, die den Krieg als Teil eines umfassenderen Kampfs des Imperialismus um die Kontrolle über Energievorkommen, strategische Handelswege und die globale wirtschaftliche Macht beschrieben hat, der sich vor allem gegen China als größten Käufer von iranischem Öl richtet.

Das Ende des Krieges wird nicht durch Trumps Wahltermine bestimmt. Washington geht es nicht einfach um die Schifffahrt in der Straße von Hormus, sondern um das strategische Ziel, den Iran und den ganzen Nahen Osten der Vorherrschaft des US-Imperialismus zu unterwerfen.

Gleichzeitig ist Teherans Antwort nicht in der Lage, den Konflikt zu beenden, und sie entlarvt den bürgerlichen Nationalismus angesichts einer eskalierenden imperialistischen Belagerung als Sackgasse.

Die Alternative zu diesem Strudel, der in einen neuen Weltkrieg führt, ist die unabhängige Mobilisierung der Arbeiterklasse in den USA, dem Iran und der ganzen Welt gegen den imperialistischen Krieg und das kapitalistische System, aus dem er hervorgeht. Die unmittelbare Forderung muss sich auf ein Ende aller US-Militäroperationen, den Abzug der US-Truppen aus dem Nahen Osten und die Aufhebung der Sanktionen und der Seeblockade konzentrieren.

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